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Meine Freundin hat mich letzten Winter abends angerufen, und es ging ausnahmsweise nicht um meine Katzen, sondern um ihre, eine kleine Dreifarbige, die sich seit zwei Wochen den Hals blutig kratzte. Meine Freundin arbeitet als Tiermedizinische Fachangestellte, Flöhe hatte sie längst ausgeschlossen, Milben auch, und trotzdem saß sie da und sagte: „Ich hab alles abgehakt, was ich den Leuten am Tresen sonst erzähle, und jetzt weiß ich selber nicht weiter.“ Am Ende war es Rind, und die Katze hatte seit 6 Jahren Rind gefressen.
Was ich seitdem über Katzenfutter für Allergiker weiß, kommt zum größten Teil von ihr, samt dem einen Fehler, den sie in Woche 5 selbst gemacht hat, und aus ein paar Nächten Lesen, weil sich die Hälfte von dem, was im Netz dazu steht, widerspricht. Es ist eigentlich vor allem eine Methode, und die Packung kommt erst ganz am Ende.
Bei einer Futtermittelallergie reagiert das Immunsystem auf einen Bestandteil im Futter, fast immer auf ein tierisches Eiweiß. Rind, Huhn, Fisch, Milch, einfach weil die meisten Katzen davon am meisten fressen. Und sie entsteht fast immer gegen etwas, das die Katze schon lange kennt, nicht gegen das Neue von letzter Woche. Die Katze meiner Freundin hatte ihr ganzes Leben dieselbe Sorte bekommen, und irgendwann im November ging es los, ohne dass sich an Dose, Haus oder Tagesablauf irgendwas geändert hätte. Wenn es so weit ist, reichen winzige Mengen.
Typisch sind Juckreiz am Kopf, am Hals und an den Ohren, oft so stark, dass die Katze sich wund kratzt, dazu kahle Stellen, kleine Krusten, manchmal Durchfall oder Erbrechen. Nicht jede Katze zeigt alles, manche kratzen nur, manche haben nur Bauch.
Blöd ist nur, dass zwei andere Dinge genauso aussehen. Eine Unverträglichkeit läuft ohne Immunsystem ab, der Darm kommt mit etwas nicht klar, zum Beispiel mit Laktose, und die Katze bekommt Durchfall oder erbricht, die Haut bleibt meist ruhig. Bei der Umweltallergie juckt sich die Katze genauso wie bei der Futterallergie, aber das Futter ist unschuldig, es sind Pollen, Hausstaubmilben oder Flohspeichel, und Flohspeichel ist die häufigste Allergie bei Katzen überhaupt. Deshalb schaut jede Tierärztin zuerst nach Flöhen, auch bei reinen Wohnungskatzen.
Es gibt Bluttests, die Antikörper gegen Futterbestandteile messen, und sie klingen herrlich einfach. Bei Katzen funktionieren sie aber nicht zuverlässig. Sie zeigen Reaktionen auf Dinge, die die Katze problemlos verträgt, und übersehen das, was juckt. Warum werden sie dann angeboten? Weil Leute danach fragen, sagt meine Freundin, und weil ein Testergebnis sich besser anfühlt als zwölf Wochen Warten. Bleibt die Ausschlussdiät, und davor steht ein Termin, bei dem Flöhe, Milben, Pilze, Parasiten im Darm und die Schilddrüse aus dem Rennen genommen werden, bevor du 12 Wochen deines Lebens in eine Diät steckst, die vielleicht gar nicht nötig war.
Ausschlussdiät heißt, dass die Katze über 8 bis 12 Wochen nur noch eine einzige Eiweißquelle bekommt, und zwar eine, die sie in ihrem Leben noch nie gefressen hat, nicht selten, sondern nie. Wenn das Immunsystem ein Eiweiß nicht kennt, kann es auch nicht darauf losgehen, und die Haut kann sich beruhigen. Pferd, Känguru, Ziege, Ente, Kaninchen, Insekten, da gibt es inzwischen einiges. Manche Tierärzte setzen stattdessen auf ein Futter, in dem das Eiweiß so klein zerlegt ist, dass das Immunsystem es nicht mehr erkennt. Welcher Weg es wird, entscheidest du beim Termin, und wer die Katze behandelt, will dafür eine Liste sehen.
Der Ablauf, so wie ihn meine Freundin in der Praxis erklärt und zu Hause selbst durchgezogen hat:
Das Tagebuch brauchst du, weil du nach 3 Wochen nicht mehr weißt, ob der Durchfall am Dienstag oder am Donnerstag war. Meine Freundin hatte ihre Liste in der Küchenschublade, jeden Tag Futter, Menge, wie oft gekratzt, wie der Kot aussah und ob was anders war als sonst, fünf Zeilen, dafür jeden Abend. In Woche 5 steht da ein Eintrag, den sie mir am Telefon vorgelesen hat: Wurmkur gegeben, mit Rindgeschmack, aus dem Schrank in der Praxis. Die Tablette, die sie selbst hundertmal über den Tresen gereicht hat. Drei Tage später hat die Katze sich wieder gekratzt, und ihre Chefin hat die Diät um zwei Wochen verlängert.
Weil niemand sie als Futter zählt. Das Hauptfutter wird umgestellt, da sind alle diszipliniert, und nebenbei fliegt weiter das Leckerli aus der Jackentasche, die Zahnpflegestange, der Rest Katzenmilch, der Käsewürfel vom Abendbrot. Jeder einzelne davon reicht, um die Diät für den Tag zu kippen. Nach 8 Wochen sieht es dann so aus, als hätte die Diät nicht gewirkt. Dabei hat sie nie stattgefunden.
Die Fehlerquellen, die meine Freundin am häufigsten sieht, sind nicht die Snacks aus der Packung, sondern die Küchenreste. Der Teller auf der Arbeitsplatte, die Pfanne vom Vorabend, die ich selbst viel zu oft stehen lasse. Bei uns wäre allerdings Lotte das Problem. Die würde bei einem neuen Futter erst mal zwei Tage vor dem Napf sitzen, mich angucken und warten, ob nicht doch noch was anderes kommt, und ich würde am zweiten Abend weich.
Freigänger holen sich ihr zweites Frühstück gern drei Häuser weiter. Juri kennt das Problem nicht, der ist Wohnungskater und sitzt stattdessen in jedem Karton, der bei uns ins Haus kommt, aber bei einer Freigängerin heißt Ausschlussdiät im Zweifel 12 Wochen Hausarrest, oder du sprichst mit den Leuten in der Straße, bei denen sie regelmäßig vor der Tür sitzt.
Viele Wurmkuren und Medikamente haben Fleischgeschmack, und der kommt aus genau den Eiweißen, die du gerade meidest. Meine Freundin wusste das und ist trotzdem reingelaufen. Sag es also beim Termin, bevor etwas verschrieben wird. Oft gibt es eine Variante ohne Aroma, und wenn nicht, zeigt man dir in der Sprechstunde, wie du die Tablette auch so reinbekommst.
Als Belohnung bleibt in der Zeit sehr wenig. Entweder gar nichts oder ein Snack, der zu 100 % aus derselben Eiweißquelle besteht wie das Diätfutter. Nichts, wo auf der Packung Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse steht, weil da keiner weiß, von welchem Tier. Monoprotein heißt genau das, eine Tierart und sonst nichts, und wo das Etikett trotzdem tricksen kann, steht in Monoprotein erklärt. Für die meisten Katzen bleibt damit in den 12 Wochen nur gar nichts oder ein Stück vom Diätfutter selbst, aus der Hand statt aus dem Napf. Falls Ente auf eurer Liste fehlt und die Tierärztin einverstanden ist, gibt es getrocknete Filets aus einer einzigen Tierart, und die Packung liest du trotzdem jedes Mal. Und es bleibt ein Snack in kleinen Mengen, die Frage, wie viel am Tag drin ist, gilt in der Diät genauso wie sonst.
Wenn nach 8 bis 12 Wochen der Juckreiz weg ist oder deutlich weniger, weißt du erst mal nur eins: Es wird besser ohne das alte Futter. Beweis ist das noch keiner, Haut wird auch mal von allein besser, die Jahreszeit wechselt, der Flohschutz wirkt. Deshalb kommt die Provokation. Du gibst das alte Futter wieder, und wenn die Katze innerhalb von ein paar Tagen bis 2 Wochen wieder anfängt zu kratzen, hast du deine Antwort. Meine Freundin hat beim zweiten Telefonat, als sie den Schritt am liebsten übersprungen hätte, gesagt: „Ohne Provokation weiß ich gar nichts, ich glaub dann nur was.“ Sie hat es durchgezogen, und die Katze hat am vierten Tag mit Rind wieder angefangen.
Danach kannst du einzelne Eiweiße nacheinander dazugeben, jeweils ein bis zwei Wochen, und so den Auslöser finden. Musst du aber nicht, viele bleiben bei dem Futter, das funktioniert hat. Für die Dauerfütterung heißt das, du liest ab jetzt immer Etiketten, die Eiweißquelle muss mit Tierart genannt sein, und je kürzer die Zutatenliste, desto weniger kann sich darin verstecken.
12 Wochen heißt 84 Tage, an denen du jeden Tag Nein sagst, zur Katze und zu dir selbst. Ich schaffe keinen Tag ohne Leckerli für meine beiden und weiß nicht, ob ich das durchhalten würde.
Mit mehreren Katzen wird es nochmal härter. Entweder fressen alle das Diätfutter, was du vorher abklärst, weil es für die gesunde Katze auch passen muss. Oder du trennst konsequent, getrennte Räume beim Füttern, Napf danach weg, keine Reste. Futterautomaten mit Chip-Erkennung kosten was, sparen aber Nerven. Und die Snacks gelten dann für alle, sonst findet der Diätpatient sie garantiert. Passiert doch mal was, schreibst du es ins Tagebuch und fragst beim nächsten Termin, ob die Diät verlängert wird. Ein Fehltritt heißt nicht automatisch, dass du von vorn anfängst, bei der Katze meiner Freundin wurden es am Ende 14 Wochen statt 12.
Katzen reagieren bei einer Futtermittelallergie fast immer auf tierisches Eiweiß, Getreide ist als Auslöser selten, und damit bringt die Umstellung in den allermeisten Fällen nichts. Ein getreidefreies Futter mit Huhn und Rind ist für eine Katze, die auf Rind reagiert, genauso ein Problem wie vorher.
Füttern kannst du deiner Katze natürlich, was du willst, aber du läufst dann ins Leere. Ohne den Termin fehlt dir der Blick auf Flöhe, Milben und alles andere, was genauso juckt, und am Ende deutest du die Provokation allein. Meine Freundin hat es trotz ihres Jobs nicht allein gemacht, sondern ihre Chefin draufgucken lassen.
Das kann dauern, oft mehrere Wochen, und das ist der Grund für die 8 Wochen Minimum. Die Haut braucht Zeit, um sich zu beruhigen, selbst wenn das Eiweiß vom ersten Tag an weg ist. Wenn nach 4 Wochen noch nichts passiert ist, heißt das noch nicht viel, aber es ist ein guter Moment, die Fehlerquellen mit der Tierärztin durchzugehen.
Ich hab seit dem Winter eine Liste im Küchenschrank, was meine beiden jemals gefressen haben, obwohl keiner von beiden eine Diät macht. Sie hängt innen an der Tür, zwischen dem Pizzaflyer und dem Abfuhrkalender, und sie wird länger, weil ich jede neue Sorte dazuschreibe, bevor ich die Packung aufmache.
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