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Es ist Sonntagvormittag, der Ofen heizt vor, und Juri sitzt vor der Ofentür wie vor einem Fernseher. Keine Ahnung, was er da sieht, bis jetzt passiert da drin gar nichts. Lotte schläft im Wäschekorb auf der sauberen Wäsche, die interessiert das ganze Programm nicht. Ich stehe mit einer halb gefrorenen Hühnerbrust am Brett, und Juri weiß trotzdem schon, was kommt.
Ich hab jahrelang gedacht, Katzenleckerlis selber machen wäre was für Leute mit Dörrautomat und Rezepten mit zwölf Zutaten. Dabei braucht es eine Hühnerbrust und einen Vormittag, an dem du eh zu Hause bist. Unten stehen fünf Rezepte, alle ohne Getreide und ohne Zuckerzusatz, und davor das, was niemals rein darf, weil das wichtiger ist als jedes Rezept.
Fleisch oder Fisch, pur. Alles andere aus deiner Küche bleibt im Schrank.
Zwiebeln, Knoblauch und Lauch sind für Katzen giftig, auch gekocht, auch als Pulver in irgendeiner Brühe, und damit fliegen die meisten Rezepte aus Menschen-Kochbüchern schon raus. Salz braucht eine Katze nicht extra, Gewürze auch nicht, und Zucker hat in einem Katzensnack sowieso nichts verloren. Streng ist das nur auf den ersten Blick, eigentlich sparst du dir damit die ganze Würzerei.
Was rein darf, ist dafür ziemlich übersichtlich: Hühnerbrust, Putenbrust, Lachs, Thunfisch im eigenen Saft, Hühnerleber in kleinen Mengen und ein Ei als Bindung. Am Ende ist das alles nur Fleisch schneiden und warten.
Einen Dörrautomaten brauchst du dafür nicht, der Backofen kann das genauso, nur ein bisschen langsamer. Was bei mir auf der Arbeitsfläche liegt, ist ein scharfes Messer, ein Brett nur für Fleisch, Backpapier, ein Blech und nen Kochlöffel. Der Kochlöffel kommt in die Ofentür, damit sie einen Spalt offen bleibt und die Feuchtigkeit raus kann. Ohne den Spalt dünstet das Fleisch eher, als dass es trocknet, und du hast nach zwei Stunden graue, labberige Streifen, die nach nichts aussehen und auch so riechen.
Die Temperatur bleibt niedrig, 90 bis 100 Grad bei Umluft, und dafür lange, 2 bis 3 Stunden, je nachdem, wie dick du schneidest. Bei mehr Hitze wird außen alles hart und innen bleibt es feucht, und feucht verdirbt schnell. Jeder Ofen ist außerdem anders. Meiner läuft heißer, als er anzeigt, das weiß ich seit dem ersten Blech, das schwarz geworden ist, also beim ersten Mal lieber früher nachsehen.
Rohes Fleisch bleibt nicht lange bei Zimmertemperatur liegen, Brett und Messer wasch ich danach heiß ab, und die Hände, bevor ich das Handy wieder anfasse.
Durchgegangen heißt bei uns, dass Juri sie frisst, und Juri frisst nun mal so ziemlich alles, was ich ihm hinlege. Lotte rührt die Sachen nicht mal an weil sie nach Ofen riechen, einmal schnuppern, dann ist das Thema für sie durch.
Das Rezept, mit dem du anfangen solltest, weil es nur eine Zutat hat und kaum Arbeit macht. Für ein Blech reicht eine Hühnerbrust von etwa 200 g.
Lachs geht genauso wie Huhn, nur riecht die Küche danach drei Tage, und jede Gräte muss vorher raus, jede einzelne.
Lachsfilet kurz anfrieren und in dünne Scheiben schneiden, dann bei 90 Grad Umluft mit der Tür auf Spalt 2 bis 3 Stunden trocknen, bis die Scheiben knusprig sind. Lachs hat mehr Fett, deshalb werden die Chips nie ganz so trocken wie die Hühnerstreifen und halten auch kürzer. (Das Filet nehme ich ohne Haut, mit Haut werden die Scheiben zu fettig und kleben am Papier fest.)
Die Bindung macht ein Ei, Mehl kommt keins rein. Katzenkekse, so richtig mit Teig und Ausstechförmchen, hab ich aufgegeben, ohne Mehl hält die Form nicht, bei uns heißen die Dinger Taler und geformt wird mit dem Löffel. Thunfisch gibt es bei uns allerdings selten, die Taler mach ich höchstens alle paar Wochen, weil Thunfisch mehr Schwermetalle mitbringen kann als Huhn oder Lachs. Beim Einkaufen drauf achten, dass er im eigenen Saft liegt, nicht in Öl, und ohne Salzzusatz.
Leber ist für Katzen so ungefähr das, was für mich die Chipstüte ist. Riecht intensiv, wird gierig gefressen, und genau deshalb gibt es sie nicht jeden Tag. Wegen dem vielen Vitamin A in Leber hab ich in unserer Tierarztpraxis extra nochmal nachgefragt, und die waren da streng, kleine Mengen und selten, mehr war da nicht rauszuholen.
Für die Drops kochst du 100 g Hühnerleber etwa 10 Minuten in Wasser, ohne Salz, ohne irgendwas. Dann pürieren, mit ein, zwei Löffeln vom Kochwasser, bis eine dicke Paste entsteht. Die setzt du in winzigen Tupfen auf Backpapier, kleiner als eine Erbse, und lässt sie bei 100 Grad Umluft etwa eine Stunde trocknen, wieder mit dem Löffel in der Tür. Fertig sind sie, wenn sie nicht mehr kleben, und dann drück ich trotzdem noch eins mit dem Fingernagel durch, weil die Mitte gern feucht bleibt.
Das einzige Rezept, bei dem Lotte mitspielt, und nebenbei das schnellste. Zwei Esslöffel Nassfutter mit einem Esslöffel Wasser verrühren, in eine Eiswürfelform drücken und ab ins Gefrierfach. Wieso ausgerechnet das bei ihr geht und die Streifen nicht? Ich weiß es nicht, vielleicht weil nichts davon je im Ofen war.
Bevor ich ihn hinstelle, lass ich den Würfel 5 Minuten antauen und leg ihn auf einen Teller, nicht auf den Teppich. Im August lagen beide damit auf dem Balkon, jeder mit nem eigenen Teller, und es war eine halbe Stunde lang still in der Wohnung.
Kürzer, als man hofft, deshalb mache ich nie mehr als ein Blech auf einmal.
| Snack | Kühlschrank, geschlossene Dose | Gefrierfach, kleine Portionen |
|---|---|---|
| Hühnerbrust-Streifen | 4 bis 5 Tage | 2 bis 3 Monate |
| Lachs-Chips | 3 bis 4 Tage | 2 bis 3 Monate |
| Thunfisch-Taler | 2 bis 3 Tage | 2 bis 3 Monate |
| Leber-Drops | 2 bis 3 Tage | 2 bis 3 Monate |
| Katzeneis | taut auf, bleibt im Gefrierfach | 2 bis 3 Monate |
Die Zahlen gelten nur, wenn alles durchgetrocknet und komplett ausgekühlt war. Offen in einer Schale lagere ich nichts davon. Selbstgetrocknete Katzensnacks haben immer eine Restfeuchte, und ohne Konservierung liegt so was eben nicht monatelang im Schrank. Sobald etwas komisch riecht oder sich klebrig anfühlt, weg damit. Wie gekaufte Snacks gelagert werden, damit die nicht genauso enden, steht bei Snacks richtig lagern.
Selbstgemacht ist bei uns was für den Sonntag, unter der Woche kommt die Tüte auf den Tisch.
Wenn meine Schwester im Urlaub nach den beiden sieht, will ich ihr nicht erklären, welche Dose im Gefrierfach bis Donnerstag weg muss und welche noch bis Samstag geht. Ein Beutel getrocknete Filets liegt ungeöffnet Monate im Schrank, meine Streifen müssen nach ein paar Tagen weg sein, und rohes Fleisch in der Küche mit zwei Katzen, die aufs Brett wollen, ist im Sommer jedes Mal ein kleiner Balanceakt. Bei meinen Streifen weiß ich außerdem nur, dass Huhn drin ist, nicht, wie viel Protein oder Fett am Ende drinsteckt, und auf einer Packung steht das, was für eine Katze, die abnehmen soll, halt nicht egal ist.
Meine Schwester macht das so, und es ist bequemer, weil keine Ofentür offen stehen muss. Höchste Stufe, meist 70 Grad, und 6 bis 8 Stunden für Hühnerstreifen, je nach Dicke. Weil das Fleisch im Dörrgerät nie richtig heiß wird, schiebt sie die fertigen Streifen zum Schluss noch 10 Minuten bei 150 Grad in den Ofen, damit das rohe Geflügel sicher durch ist. Die Bruchprobe bleibt dieselbe.
Für selbstgemachte gilt nichts anderes als für gekaufte: Leckerlis liefern höchstens rund 10 Prozent der Energie, die deine Katze am Tag braucht. Bei getrockneten Streifen zählt jedes Gramm doppelt und dreifach, weil das Wasser fehlt, und bei Leber und Thunfisch bleibt es deutlich darunter. Ein paar Hühnerstreifen sind bei einer normalen Katze in Ordnung, ein halbes Blech nicht. Die Rechnerei dafür steht unter Wie viele Snacks am Tag.
Putenbrust funktioniert genau wie Hühnerbrust, gleiche Zeit, gleiche Temperatur. Mageres Rindfleisch geht auch, braucht aber meistens eine halbe Stunde länger, weil die Scheiben dichter sind. Fettige Stücke lässt du weg, die werden nie richtig trocken.
Fang mit der Hühnerbrust an und mach nur ein Blech. Wenn deine Katze abdreht, frierst du das Blech eben ein, und nächstes Wochenende probierst du den Lachs. Für die Tage dazwischen liegt bei uns ein gekaufter Beutel in der Dose, und welche Sorten Kittysnack dafür hat, zeigt die Seite alle Snacks. Und wenn es Lachs wird, mach vorher die Küchentür zu, der Geruch zieht sonst bis ins Schlafzimmer.
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