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Lotte gähnt auf dem Sofa, direkt vor meinem Gesicht, und es riecht nach Fisch, und zwar richtig. Mein erster Gedanke war Zähne. Dann fiel mir ein, dass sie eine Stunde vorher Lachs hatte. Mundgeruch bei Katzen ist also manchmal nur der Lachs. Manchmal nicht, und den Unterschied riecht man nicht sofort, jedenfalls nicht beim ersten Gähnen.
Nach Katze, würde ich sagen. Ein bisschen nach Futter, ein bisschen muffig, aber nicht so, dass du den Kopf wegdrehst. Wenn Juri gerade gefressen hat, riecht er eine halbe Stunde nach dem Napf (und zwar genau nach der Sorte, man könnte sie erraten), danach ist es weg. Das ist normal.
Auffällig wird es, wenn der Geruch bleibt. Wenn er dir schon entgegenkommt, bevor die Katze bei dir ist. Bei Lotte war er irgendwann immer da, egal ob sie gerade gefressen hatte oder nicht, und das über Wochen. Meine Freundin, die in einer Tierarztpraxis arbeitet, fragt bei dem Thema als Erstes immer: wonach genau? Weil die Antwort darauf schon die halbe Richtung vorgibt, und weil die meisten Leute, mich eingeschlossen, darauf erst mal keine Antwort haben.
Die mit Abstand häufigste Ursache sitzt direkt im Maul. Zahnbelag wird zu Zahnstein, auf dem rauen Zahnstein sammelt sich noch mehr Belag, und die Bakterien darin entzünden das Zahnfleisch. Bei Lotte war das hinten an den Backenzähnen ein brauner Rand, den man erst sieht, wenn man die Lefze hochschiebt, und das hatte ich bis dahin nie gemacht.
Lotte hatte mit 7 FORL, eine Krankheit, bei der der Körper die eigenen Zähne von innen auflöst, und warum, weiß die Forschung selbst noch nicht. Sie hat monatelang leicht aus dem Maul gerochen, und ich hab es auf ihr Alter geschoben, bis sie beim Fressen plötzlich den Kopf schief hielt und das Stück wieder fallen ließ. Ein halbes Jahr! So lange hätte ich das früher merken können. Unser Tierarzt hat sich das Röntgenbild angeguckt und gesagt: „Den Zahn benutzt sie schon eine ganze Weile nicht mehr, die kaut nur noch rechts.“ Ich hatte es nicht gesehen, und ich guck ihr jeden Tag beim Fressen zu.
Manchmal hat der Geruch mit dem Maul gar nichts zu tun, Nieren und Diabetes riecht man im Atem, und da ist der Geruch meist ein spätes Zeichen. Wenn du ihn riechst, trinkt die Katze oft schon länger mehr oder hat abgenommen, ohne dass es dir aufgefallen ist.
| Geruch | Woran es liegen kann | Was ich machen würde |
|---|---|---|
| faulig | Zahnstein, Zahnfleischentzündung, FORL, Fremdkörper | Maul anschauen, Termin beim Tierarzt |
| säuerlich | Magen, Erbrochenes, manchmal auch nur das Futter | beobachten, bei Erbrechen zum Tierarzt |
| süßlich, Richtung Nagellackentferner | kann auf Diabetes hindeuten | sofort zum Tierarzt, notfalls Notdienst |
| nach Ammoniak | kann auf Nierenprobleme hindeuten | zeitnah zum Tierarzt |
| nach Fisch | die Katze hatte Fisch | abwarten, am nächsten Tag nochmal riechen |
Ich bin keine Tierärztin, die Tabelle ist meine Übersetzung von dem, was unser Tierarzt mir mal auf die Rückseite einer Rechnung gemalt hat. Sie ersetzt keine Untersuchung. Sie hilft mir, nicht alles auf den Lachs zu schieben.
Kommt zum Geruch eins von diesen Dingen dazu, ist das ein Termin, nicht nächste Woche.
Das einseitige Kauen war bei Lotte das Zeichen, das ich zu lange übersehen hab. Sie hat nie gejammert, sie hat nur langsamer gefressen, und ich hab das für Mäkeligkeit gehalten, bei einer Katze, die immer schon mäkelig war. Und das viele Trinken bitte ernst nehmen, der Grund dafür steht nicht im Napf.
Kauen bewirkt was, aber weniger, als die Packungen im Regal einem erzählen.
Was passiert, ist rein mechanisch. Wenn eine Katze auf etwas Zähem oder Faserigem herumkaut, schiebt sich das Material an den Zähnen entlang und reibt weichen Belag ab, bevor er hart wird. Deshalb bringt ein Stück, an dem die Katze eine Weile zerrt, mehr als zehn kleine Happen, die sie im Ganzen schluckt.
Was Kauen nicht kann: Zahnstein, der schon da ist, wieder wegkriegen. Der ist hart wie Kalk im Wasserkocher, und den kriegt niemand mit einem Snack ab. Das geht nur beim Tierarzt, unter Narkose, mit Ultraschall. Kauen kann auch keine Entzündung heilen und kein FORL aufhalten. Bei Lotte hätte ich kauen lassen können, bis sie umfällt, der Zahn wäre trotzdem weg gewesen. Was Kauen im Maul im Einzelnen macht und was nicht, steht ausführlicher unter Zahnpflege und Kauen.
Das meiste, was Katzen lieben, ist sowieso weich. Pasten, Soßen, alles, was man schlecken kann, und für die Zähne passiert dabei mechanisch ungefähr nichts, eine Paste reibt keinen Belag ab, die läuft einfach durch. Zum Kauen kommt eine Katze bei Sachen, die sie nicht einfach schlucken kann. Ein Stück, das zu groß für den Rachen ist und abgebissen werden muss. Faserige Konsistenz, Fleisch in Fasern statt Fleisch in Paste. Etwas zäh, aber nicht so hart, dass sie es nach einmal Beißen liegen lässt. Lotte beißt von einem getrockneten Filet ab, weil sie muss, und dabei kaut sie tatsächlich ein paar Sekunden, bevor sie schluckt. Bei nem weichen Kissen schluckt sie direkt.
Snacks, die Zahnpflege versprechen, gibt es jede Menge. Ich guck da auf Zutaten und Konsistenz, und ehrlich gesagt vor allem darauf, ob die Katze das Ding wirklich kaut oder nach zwei Sekunden weg hat. Die beiden bekommen inzwischen Filets zum Abbeißen, und ich spar mir die Illusion, dass damit die Zahnpflege erledigt wäre.
Juri hat es nach drei Wochen akzeptiert, Lotte bis heute nur halb. Sie dreht den Kopf weg, lässt es dann aber zu, wenn sie weiß, dass danach was kommt, und ich mach es bei ihr nur an guten Tagen.
Die Reihenfolge kam von meiner Freundin. Jeder Schritt dauert so lange, bis die Katze dabei entspannt bleibt, bei uns grob 5 Tage. Wenn sie mittendrin weggeht, war der Schritt zu groß, dann gehst du einen zurück und probierst es zwei Tage später nochmal.
Innen musst du eigentlich nicht putzen, die Zunge macht das selbst. Und wenn die Katze an einem Tag keinen Bock hat, dann eben nicht. Kurz und ohne Kampf bringt mehr als 2 Minuten mit Festhalten, und beim nächsten Mal kommt sie dann wenigstens wieder.
Was auf keinen Fall ins Katzenmaul gehört, ist Zahnpasta für Menschen. Da sind Fluorid und Schaumbildner drin, dazu Minze, und Katzen können nicht ausspucken, die schlucken das. Noch schlimmer ist Xylit, das in vielen Sachen ohne Zucker steckt, zum Beispiel in Kaugummi. Bei Hunden ist das giftig, bei Katzen weiß man es nicht genau, und ich probier es nicht aus. Also nur Zahnpasta, auf der Katze draufsteht.
Das wird hartnäckig erzählt, und es stimmt leider nicht. Die meisten Katzen zerbeißen Trockenfutter einmal oder schlucken es gleich ganz, da reibt kaum was an den Zähnen entlang. Es gibt spezielle große Kroketten, aber auch die machen aus einer Katze mit Zahnstein keine ohne.
Es gibt solche Zusätze, und ich bin da vorsichtig. Alles, was das Wasser anders schmecken lässt, kann dazu führen, dass die Katze weniger trinkt, und das ist am Ende das größere Problem. Lotte haut die Wasserschale sowieso jeden zweiten Tag um, mit Zusatz drin wäre der Boden dann auch noch klebrig. Wenn du sowas probieren willst, frag vorher in der Sprechstunde und schau auf die Zutaten.
Einmal im Jahr beim normalen Check, bei älteren Katzen gern zweimal. FORL sieht man von außen oft gar nicht, dafür braucht es ein Röntgenbild unter Narkose, und das macht keiner nebenbei. Frag ruhig aktiv nach, ob die Zähne mit angeschaut wurden, bei uns stand das anfangs nicht automatisch mit auf dem Plan.
Ich schieb den beiden einmal die Woche kurz die Lefze hoch und rieche hin, meistens sonntags, wenn sowieso alle auf dem Sofa liegen. Lotte duldet es an guten Tagen, an schlechten verzieht sie sich aufs Fensterbrett. Weil ich inzwischen weiß wie die beiden normal riechen, merke ich, wenn sich was ändert, und ich schreib es dann in den Kalender, falls ich beim Tierarzt gefragt werde, seit wann. Dazu Zähneputzen, so oft wie es klappt, und zum Abbeißen gibt es Filets statt Paste. Welche das bei uns sind, findest du in der Übersicht alle Snacks von Kittysnack. Die Zahnbürste liegt weiter im Bad, neben meiner, und sonntags wandert sie mit aufs Sofa.
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