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Ich hab eben eine Dose Thunfisch aufgemacht, für mich, und keine zehn Sekunden später standen beide Katzen in der Küche. Beide hatten vorher geschlafen, Lotte auf dem Sofa, Juri irgendwo im Schrank (er hat da eine Ecke hinter den Handtüchern). Jetzt sitzen sie nebeneinander vor dem Herd und gucken. Thunfisch aus der Dose für Katzen, das war bei uns lange so eine Grauzone. Dürfen Katzen Thunfisch essen, war dabei nie die Frage, Lotte kriegte was, wenn sie lang genug guckte, die Frage war immer, wie viel, und das hat niemand gezählt.
Sie dürfen, und wie viel, das vorweg. Einen Teelöffel ab und zu, aus einer Dose ohne Salz und ohne Öl, als Zugabe zum Futter und nie statt Futter.
Lotte, bei allem anderen wählerisch bis zur Verzweiflung, kann Thunfisch durch zwei geschlossene Türen riechen, und Juri frisst sowieso alles, der kommt nur mit, weil Lotte losgelaufen ist.
Beim Thunfisch sitzt Lotte plötzlich neben dem Herd, aufrecht, Schwanz um die Pfoten, und wartet. Was ist da los? Ich hab nachgelesen, und es ist vor allem der Geruch. Thunfisch riecht so stark, dass er selbst durch eine verschnupfte Katzennase kommt. Und er hat diesen herzhaften Geschmack, den wir Umami nennen, und auf den stehen Katzen. Ich mag Thunfisch auch, insofern verstehe ich sie irgendwie.
Thunfisch ist Fisch, Katzen sind Fleischfresser, und der Fisch selbst ist nicht giftig für sie. Nur die Dose ist für Menschen gemacht, nicht für ein Tier mit 4 Kilo, und da fängt es an.
Richtig heikel sind Dosen mit Gemüse, Tomate oder Chili und Thunfisch-Fertigsalate, weil da oft Zwiebel oder Knoblauch drin ist, und beides ist für Katzen giftig. Alles andere ist eine Frage von Öl, Salz und Menge.
| Auf der Dose steht | Für die Katze |
|---|---|
| Im eigenen Saft, ohne Salzzusatz | Ein Teelöffel geht |
| Im eigenen Saft, mit Salz | Höchstens ein halber, abgetropft |
| In Öl, egal welches | Lieber nicht |
| Mit Gemüse, Tomate, Chili, Kräutern | Nein |
| Thunfischsalat, Brotaufstrich | Nein |
| Katzenfutter mit Thunfisch, Alleinfuttermittel | Ganz normal füttern |
Quecksilber ist das Thema, das die meisten im Hinterkopf haben. Thunfische sind Raubfische, große alte Tiere reichern über die Jahre Schwermetalle an, und welche Art in der Dose steckt, weißt du beim Einkaufen selten. Für uns Menschen mit 70 Kilo spielt die Dose in der Woche keine Rolle, für eine kleine Katze, die das jeden Tag bekommt, sieht die Rechnung anders aus. Und wie viel ist zu viel? Das kann ich dir ehrlich gesagt nicht sagen, mir reicht der gesunde Menschenverstand, dass viel Fisch in einem kleinen Tier über lange Zeit keine gute Idee ist.
Das größte Problem ist aber ein ganz unspektakuläres. Thunfisch ist einseitig. Da fehlt alles, was in einem Alleinfutter drin ist, und eine Katze, die über Wochen hauptsächlich Thunfisch frisst, bekommt irgendwann einen Mangel.
Thiaminase taucht in jedem zweiten Forum auf. Das ist ein Enzym in manchem rohen Fisch, das Vitamin B1 zerstört. Dosenthunfisch ist gegart, also ist das hier kein Thema, beim rohen Fisch aus der Kühltheke schon.
Ein gestrichener Teelöffel, höchstens ein- oder zweimal die Woche, das ist die Obergrenze, mit der ich bei Lotte fahre, und meistens ist es deutlich weniger, weil die Dose bei uns halt selten aufgeht. Dahinter steckt die Zehn-Prozent-Regel: Alles, was deine Katze neben dem Hauptfutter bekommt, Snacks, der Teelöffel Thunfisch, der Rest vom Teller, darf zusammen etwa ein Zehntel von dem ausmachen, was sie am Tag an Energie braucht, Kalorien also, nicht Gramm. Der Rest muss aus einem Futter kommen, das alles enthält, was sie braucht. Rechnen musst du das nicht jeden Tag, einmal grob überschlagen reicht, und wie, steht unter so rechnest du die Snackmenge.
Eine offene Dose hält im Kühlschrank 1 bis 2 Tage, danach ist sie durch. Bei einem Teelöffel pro Katze bleibt also der größte Teil der Dose für mich, und das ist auch gut so, heute kommt der Rest in den Nudelsalat.
Wenn deine Katze Fisch liebt, musst du ihr den nicht aus deiner Dose geben. Es gibt Fischsnacks und Fischfutter, die dafür gemacht sind, Katzenfutter mit Thunfisch als Alleinfuttermittel zum Beispiel, da ist der Fisch drin, aber auch alles andere, was die Katze braucht, in einem Verhältnis, das jemand ausgerechnet hat. Steht „Alleinfuttermittel“ drauf, bist du auf der sicheren Seite, steht „Ergänzungsfuttermittel“ drauf, ist es ein Snack und gehört mit in das Zehntel. Im Schrank liegt bei uns ein gegartes Thunfischfilet, das ich für Lotte in Fetzen zupfe, Salz und Öl sind da wenigstens nicht drin, und bei einer Katze, die sonst mäkelig ist und Fisch über alles liebt, ist so was oft der erste Snack, der überhaupt angenommen wird. Mehr davon unter Snacks mit Fisch.
Thunfisch gibt es bei uns deshalb vor allem dann, wenn eine Tablette rein muss, oder wenn ich Nudelsalat mache, so wie heute. Ein halber Teelöffel, Tablette rein, Lotte schlingt, fertig, und sie glaubt bis heute, dass sie dabei gewonnen hat. Ich lasse sie in dem Glauben. Dafür mach ich ne Dose extra auf, und was übrig ist, kommt aufs Brot, länger als zwei Tage bleibt da nichts stehen.
Klingt harmlos? Ist es, solange es selten bleibt. Bekäme Lotte jeden Tag Thunfisch, wäre er nichts Besonderes mehr, und die nächste Wurmkur würde zum Kampf. Frag beim Abholen der Tablette, ob sie mit Futter gegeben werden darf, manche müssen auf leeren Magen, manche dürfen nicht zerdrückt werden, meistens steht das in der Packungsbeilage, und wenn nicht, ruf kurz an.
Der andere Fall ist die Katze, die nicht frisst. Ein Teelöffel Thunfischsaft über das normale Futter, und bei vielen Katzen geht plötzlich wieder was. Das ist ein Trick für den einen Tag ohne Appetit, nach einer Impfung zum Beispiel oder weil Besuch da war. Bleibt der Napf einen ganzen Tag und eine Nacht unberührt, also rund 24 Stunden, ist Schluss mit Tricks und sie muss zum Tierarzt, und zwar auch dann, wenn sie den Thunfisch zwischendurch genommen hat, weil ein Leckerli kein Fressen ist und Hungern bei Katzen schnell ernst wird. Falls deine Katze am Napf schnuppert und wieder abdreht, hab ich dazu was Ausführlicheres geschrieben, nämlich Katze schnuppert nur am Napf.
Das passiert schneller, als man denkt. Eine Woche Thunfisch, weil die Katze krank war und sonst nichts wollte, und schon hast du eine Thunfisch-Katze, die vor dem Napf mit dem normalen Futter steht und dich anguckt, als hättest du ihr Steine hingestellt. Bei Lotte war das nach ihrer Zahn-OP vor zwei Jahren so, 10 Tage lang Thunfisch, weil sie sonst nichts anrührte, abgesprochen mit der Tierarztpraxis, und danach 3 Wochen, in denen ich jeden Morgen vor dem Napf stand und verhandelt habe. Lotte ging dann lieber ins Bad und setzte sich auf den Wannenrand. Da sitzt sie seit Jahren, sobald ich dusche, egal was sonst los ist. Katzen lernen so was in Tagen, und sie verlernen es nur, wenn du länger durchhältst als sie.
Der Weg zurück ist nicht kompliziert, nur nervig, weil du konsequenter sein musst als die Katze. So hab ich es damals gemacht.
Das sind ungefähr 10 nervige Tage. Danach frisst sie wieder normal, und Thunfisch ist wieder etwas Besonderes, bei Lotte hat das bis heute gehalten.
Giftig ist nicht der Fisch, sondern das, was in der Dose für Menschen sonst noch steckt, und die Menge über lange Zeit. Bei einem Teelöffel ab und zu passiert einer gesunden Katze nichts, bei einer kranken oder einer mit Nierenproblemen frag vorher beim Tierarzt nach, da zählt jedes Gramm Salz.
Kitten brauchen in den ersten Monaten ein Futter, das genau auf sie abgestimmt ist, und ein kleiner Körper reagiert auf Salz noch empfindlicher als ein großer, deshalb würde ich es lassen. Wenn du einem Kitten Fisch zeigen willst, nimm lieber ein Kittenfutter mit Fisch, und mit dem Dosenthunfisch kannst du warten, bis die Katze ausgewachsen ist.
Ein, zwei Teelöffel vom Saft gehen, das ist sogar der Teil, den ich am liebsten nehme, wenn ich das normale Futter interessanter machen will. Die ganze Dose ausschlecken lassen lieber nicht, da ist zu viel Salz drin und zu viel von allem. Und nur der Saft aus der Dose im eigenen Saft, nicht das Öl aus der Öldose.
Die Dose von vorhin ist inzwischen leer, ein Teelöffel für Lotte, einer für Juri, der Rest im Nudelsalat, und die nächste bleibt zu, bis eine Tablette fällig ist. Wenn deine Katze auch so eine Fischkatze ist, ist ein Snack, der dafür gemacht wurde, der bessere Weg, der ist dann für eine Katze gedacht und nicht für mein Abendbrot.
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